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Unwetter auf Mallorca,
- ein Erlebnis!


    Der folgende Bericht wurde eingesandt von
    Dieter Nowakowski, Hamburg
    - Email: noki@herant.desy.de

Für Einheimische und Insider war es aufgrund der Wetterlage und der Tendenz vorherzusehen. Es wird schlechtes Wetter geben! Nun gut, das ist Ende September nicht gerade ungewöhnlich. Meistens dauert es ein bis drei Tage und dann lacht der Himmel wieder. - Wir sind ja schließlich auf Mallorca! - So dick wird es schon nicht werden.

Diesmal sollte es jedoch anders kommen. Das deutsche TV sendete für Daheimgebliebene eindrucksvolle und tragische Bilder.
Alles beginnt ziemlich harmlos: dichte zerfetzte Wolken, der Wind frischt auf, das Meer in der Bucht von Acludia - Ca'n Picafort wird unruhig - Badeverbot! Im Inneren der Insel regnet es bereits stundenweise, - höchst willkommen! Über der Bucht von Alcudia schieben sich langsam von Norden und Südosten dicke Wolkenbdnke heran. Noch ist es Vormittags, das kann sich noch alles ändern!
Und ich will mit dem Auto von Son Baulo über Muro, Inca, Alaro, Bunola nach Soller und zurück fahren um eine befreundete einheimische Familie zu ihrer kranken Mutter zu bringen. Eine landschaftlich schöne Strecke. Also nicht lange warten, auf geht's!
Sicherheitshalber nehme ich den Geländewagen mit Allradantrieb, in dem immer ein Seil, Spaten und sonst noch allerlei Nützliches liegt. Durch die fruchtbare Ebene von Muro bis Inca geht alles wunderbar, die dicken Wolken haben wir hinter uns gelassen. Hinter Alaro sieht es dann schon weniger freundlich aus.
Der schöne Berg mit dem Castillo de Alaro (sehenswert!) trägt schon eine zwar noch helle aber immerhin eine Wolkenkappe - kein gutes Zeichen - und der Puig Mayor mit den Massiven der Tramuntana ist längst nicht mehr zu sehen.
So kommen wir von Alaro durch eine wunderschöne Gegend nach Bonola (eine der schönsten Strecken die ich kenne!) und von da auf die Schnellstraße 711 nach Soller.
Fast zwei Stunden sind wir unterwegs gewesen und wegen meines schlechten Gefühles bezüglich des Wetters verabschiede ich mich auch nach einer kleinen Erfrischung schnell wieder.
Aber nun fahre ich alleine und da wird man mutiger! Die Wolken sehen eigentlich noch recht hell aus; und so entschließe ich mich den Rückweg über das Gebirge nach Pollenca zu nehmen. Hinter dem Tunnel am Puig Mayor erkenne ich, daß das ein großer Fehler war! Es beginnt zu regnen. Bei der Abzweigung nach Sa Calobra regnet es stark und der Himmel ist schwarz; Blitze zucken und das Echo des Donners scheint von überall her zu kommen. Wasser strömt bereits über die hervorragend ausgebaute Straße von den Bergen kommend.
Nun heißt es Nerven behalten und ganz vorsichtig fahren, solange es noch geht. Ich komme nicht mehr weit! Es schüttet wie aus Eimern, keine Sicht mehr, die Scheibenwischer bringen das Wasser nicht weg und das 'Feuerwerk' des Gewitters tut ein übriges. Schon längst ist es zu gefährlich geworden. In einer Einfahrt zu einer Casa privado parke ich mein Auto gegen den Hang, ziehe alles was bremsen kann an und lege Felsen hinter die Räder. Bis auf die Haut durchnässt warte ich auf Wetterbesserung, man kann eh' nichts mehr tun. Dabei ist es aber noch recht warm. Die Wassermassen und Geröll schießen nur so den Hang herunter. Da fällt mir das Seil ein. Eine kräftige Kiefer steht auch ganz in der Nähe. Aber den Wagen anzuseilen, dazu komme ich nicht mehr! Plötzlich ein riesiges Getöse, zu sehen ist nichts. Etwa ein Bergrutsch? Etwas mulmig ist mir schon! Aber dann nach etwa zwei Stunden läßt der Regen nach.
Auf die Idee im nahegelegenen Kloster Lluc Schutz zu suchen bin ich gar nicht gekommen!
Was ich jetzt sehe läßt mir eine Gänsehaut über den Rücken ziehen: knapp 50 Meter hinter mir fehlt die Straße! Sie ist einfach weg, weggerissen von den Wassermassen. Auf 30 m Breite gähnt ein Loch, dort wo einmal die Straße war.
Die strömenden Fluten von den Bergen sind bald weg und ich wage es weiterzufahren. Nur jetzt 'ganz schnell' nach Hause, nach Ca'n Picafort! Es regnet immer noch aber man kommt einigermaßen durch. Keine weggespülte Straße mehr.
Dafür an der Bucht von Alcudia überflutete Straßen. Die schweren Brecher des Meeres schlagen über den Strand hinweg auf die Straße. Überall liegen Bootsteile, Liegestühle und allerlei sperriges Gut herum. So heißt es höllisch aufpassen, auch mit Allradantrieb.
Den Campingplatz kurz vor Ca'n Picafort hat es arg erwischt. Feuerwehr und Rettungsmannschaften sind schon am Werke. Am Ortseingang von Ca'n Picafort ziehe ich noch einen Leihwagen mit deutschen Urlaubern aus dem Schlamm. Sie saßen hier bereits seit Stunden bis zu den Türen fest, ohne Chance auf Hilfe; es ist schon lange kein Auto mehr unterwegs. - Hierzu lieber keine Kritik, denn ich hätte es eigentlich selbst auch besser wissen müssen - .

In Son Baulo ging gar nichts mehr, nicht einmal das Garagentor. Strom gab es schon lange nicht mehr und überall lagen Trümmer. Und auf ein Neues: Wolkenbruch und Gewitter! Der oberste 'Designer' war wohl ärgerlich!
Vom Strand in der kleinen Bucht war nichts mehr zu sehen, den hatte das kleine sonst fast ausgetrocknete Flüßchen, das nunmehr ein tosender Strom war - aus dem Inselinneren kommend - einfach samt Kiosk ins Meer gespült. Terrassen, Spielplätze, dicke stahlarmiert Mauern der angrenzenden Hotels und des Hafens - nur noch Trümmer!
So ging es jeden Tag und jede Nacht über eine Woche lang. In den kurzen Pausen relativer Wetterberuhigung machte alles was Hände hat mit bei den Aufräumarbeiten. Auch Gäste halfen ihre Stammkneipe oder die Hoteldisco zu 'entwässern'. Man hält eben zusammen.
Seile und Haken großer Gittermastkräne an den Baustellen, deren Bremsen sich gelöst hatten, schlugen immer wieder gegen die Stromleitungen, so daß eigentlich kaum einmal länger Strom da war. Telefon gab es zeitweise auch nicht mehr. Der Airport von Palma war für viele Tage geschlossen.
Imponierend war der Einsatz des Hotelpersonals, Tag und Nacht im Einsatz und immer da wo eine Hand gebraucht wurde. Dabei zwar gelassen aber freundlich. Im krassen Gegensatz zu vielen Gästen, die vielleicht die höhere Gewalt nicht so ganz anerkennen wollten.
Viele Tote und Verletzte waren zu beklagen, von den Verwüstungen einmal ganz abgesehen. Vielfach durch Leichtsinn und Selbstüberschätzung, genau wie ich selbst! Aber alles hat einmal ein Ende, so auch das Unwetter. Das wahre Ausmaß der Schäden zeigte sich erst nach Wetterbesserung. Schlimm, ganz schlimm war's!

Mit dem Fluß, der immer noch ein Strom war, kam jetzt totes Vieh und ganze Bäume mit. Einheimische machten nun aus der Not eine Tugend, indem sie an dem Fluß auf Fischfang gingen.
Hier gibt es eine aalähnliche Delikatesse, die sich bei Trockenheit in den Schlamm eingräbt und erst herauskommt wenn der Fluß Wasser führt. Und das ist im allgemeinen nur im Winter der Fall, oder wie jetzt bei starken Regenfällen. Er wird auf listige Art gefangen: in einer Dose werden Fleischreste bis zur Fäulnis gebracht, dann nimmt man einen Stock mit einer einfachen Schnur und einem Wollbüschel daran, taucht dieses in die stinkende Tunke des verfaulten Fleisches und hält ihn ins Wasser. Beißt eines dieser Viecher an, so reißt man das Büschel samt 'Aal' aus dem Wasser und schiebt ganz schnell einen Kescher darunter. Das etwa 30 bis 50 cm lange und etwa 5 cm dicke Tier läßt das Wollbüschel sofort los wenn es aus dem Wasser kommt. Es gilt also schnell zu sein, denn auf dem Land hat man keine Chance ihn zu erwischen. Er ist blitzschnell wieder im Wasser. Ich habe diese Delikatesse nie probiert, den Gestank des Köders habe ich noch in der Nase!
Und dann gibt es nach dem Regen massenweise Schnecken, die gesammelt werden.
Nun wird wohl gleich die Frage nach den Moskitos kommen! Da ist man ganz rigoros. Sobald die Sonne wieder da ist kommt ein kleines Flugzeug und sprüht im Tiefflug das ganze Flußbett und im weiten Kreis die Uferzonen ab. Sonst, glaube ich, würde man wohl auch am lebendigen Leibe ausgesaugt werden.

Und schon lacht die Sonne wieder als wäre nie etwas gewesen.
Alles wieder das schöne sonnige Mallorca, - hat jemand jemals etwas anderes behauptet - ??!!
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